Modellrisikomanagement (MRM)
Modellrisikomanagement ist das Rahmenwerk, mit dem eine Bank ihre Modelle identifiziert, steuert, validiert und überwacht, damit Entscheide auf Basis von Modellergebnissen tragfähig bleiben.
Modellrisiko ist das Potenzial nachteiliger Folgen aus Modellfehlern oder aus der unsachgemässen Verwendung von Modellergebnissen in Geschäftsentscheiden. Modellrisikomanagement (MRM) steuert dieses Risiko über den gesamten Lebenszyklus eines Modells: Identifikation, Entwicklung, unabhängige Validierung, Freigabe, Nutzung, Überwachung und Ausserbetriebnahme. PRA und BaFin verwenden eng verwandte Definitionen: Ein Modell ist eine quantitative Methode, ein System oder ein Ansatz, der statistische, mathematische oder ähnliche Theorien und Annahmen anwendet, um Eingabedaten in Ergebnisse zu verarbeiten. Die Definition stammt ursprünglich aus der US-Aufsichtspraxis (SR 11-7).
Für den Verwaltungsrat ist Modellrisiko ein eigenständiges Risiko und kein technisches Detail. Kreditentscheide, Pricing, Wertberichtigungen, Kapitalplanung, Alarme zur Bekämpfung der Finanzkriminalität und zunehmend KI-Anwendungen stützen sich auf Modelle. Die PRA erwartet, dass das oberste Organ einen Modellrisikoappetit festlegt und regelmässig über das Modellrisikoprofil informiert wird. Die FINMA stellte in ihrer Aufsichtsmitteilung 08/2024 fest, dass Institute vor allem Datenschutzrisiken beachten, Modellrisiken wie mangelnde Robustheit, Bias und Erklärbarkeit aber weniger. In der EU gelten KI-Systeme zur Kreditwürdigkeitsprüfung natürlicher Personen nach dem AI Act als Hochrisiko-Systeme.
Typische Schwächen sind eine zu enge Modelldefinition, durch die Tabellenkalkulationen, Vendor-Tools und KI-Anwendungen dem Rahmenwerk entgehen, eine Validierung, die nur nachrechnet statt Annahmen zu hinterfragen, und Overlays oder Post-Model Adjustments, die zum Dauerzustand werden, statt eine Neuentwicklung auszulösen.
In der Praxis
- 01Führt eine einheitliche, institutsweite Modelldefinition und ein vollständiges Inventar, einschliesslich Vendor-Modellen und KI-Anwendungen.
- 02Stuft jedes Modell nach Wesentlichkeit und Komplexität ein (Tiering) und richtet Tiefe und Häufigkeit der Validierung danach aus.
- 03Hält die Validierung organisatorisch unabhängig von Modellentwicklung und Modelleignern, mit direktem Eskalationsweg zum Verwaltungsrat oder seinen Ausschüssen.
- 04Berichtet das Modellrisikoprofil gegenüber einem vom Verwaltungsrat genehmigten Modellrisikoappetit, inklusive offener Findings und Post-Model Adjustments.
- 05Weist die Verantwortung für das Rahmenwerk einem namentlich bestimmten Mitglied der Geschäftsleitung zu.
Wie MRM-Solution unterstützt
- 01Jedes Modell in einem Inventar führen, mit Verantwortlichem, Einstufung, Risikoklasse nach EU AI Act und Revalidierungsterminen, verknüpft mit den freigebenden Gremien.
- 02Weisungen aus den modellierten Prozessen erzeugen, damit Rollen und Verantwortlichkeiten im Text der gelebten Praxis entsprechen.
Quellen
- PRA Supervisory Statement SS1/23, Model risk management principles for banks (updated April 2026) →
- FINMA Guidance 08/2024, Governance and risk management when using artificial intelligence, 18 December 2024 →
- BaFin Circular 06/2026 (BA), Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), 30 June 2026 →
- Regulation (EU) 2024/1689 laying down harmonised rules on artificial intelligence (AI Act) →
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